Spannend Stöffche
Spannend Stöffche

(bitte beachten Sie auch weiter unten die Leseprobe zum ebook "Willige Opfer")

 

Paukersterben“ 


Krimi - Kommissar Rauschers fünfter Fall

von Gerd Fischer

 

 

Prolog

Karla Bernhard hasste den Uringeruch, die vergilbten Kacheln und die versifften Klobrillen. Doch seit diesem Septembertag empfand sie nur noch Abscheu für die Schulhoftoilette der Novalis-Gesamtschule in Frankfurt-Bockenheim.
Ihre Freundinnen standen montags in der großen Pause zwischen der zweiten und dritten Stunde auf dem Schulhof, direkt vor jener großräumigen Toilette, und wirkten gelangweilt. Plötzlich Rufe. Winken. Karla wunderte sich und spazierte hin.
Hinter Lisa nahm Karla diesen Typen wahr, aus der 11. Breite Schultern, cooles Lachen, braune Haare. Sein Ruf als Mädchenschwarm eilte ihm voraus. Er trug einen hippen Hollister-Pulli, der ihr gefiel.
Aus dem Augenwinkel sah Karla, wie Jeanette ihm 20 Euro in die Hand drückte, den Daumen hob und sagte: „Wie verabredet.“ Eric, so hieß er, nickte.
Was war hier los?
Bevor Karla irgendwas kapierte, zerrte Eric sie am Arm ins Innere der Toilette, drückte sie in eine der Klokabinen und schloss ab.
Draußen hörte Karla lautstarkes Gickeln. Ihre Freundinnen postierten sich offensichtlich im Vorraum. Während sie sich fragte, was das soll, drängte Eric sie an die Klowand und verpasste ihr einen Zungenkuss.
Verdammt, was ging hier vor?
Sie stieß ihn von sich, schrie: „Hör auf!“
„Sei still“, erwiderte er, „sonst zeig ich den Film deinen Eltern.“ Er deutete nach oben.
Schock!
Karla schaute in die Kamera eines Handys. Oh Gott, dachte sie und erstarrte. Am liebsten hätte sie laut losgebrüllt, aber sie war plötzlich wie gelähmt. Brachte keinen Pieps über die Lippen. Das ging alles so schnell. Sie fühlte sich wehrlos. Hilflos. Ihre Augenlider flatterten einen Moment.
Was passierte hier gerade?
Sie hatte keine Ahnung, bis Eric ihre Hose aufknöpfte und sagte: „Zick nicht rum, okay? Deine Freundinnen wollen dir was Gutes tun.“
Blitzartig überlegte sie, was er mit „Gutes“ meinte, aber das Einzige, was ihr einfiel, lag weit jenseits ihrer Vorstellungskraft und sie verwarf den Gedanken. Doch unvermittelt ließ Eric seine Hose runter.
Was zum Teufel hatte er vor?
Sie konnte ihren Blick nicht von seinem erigierten Penis lösen. Hatte noch nie einen gesehen, zumindest nicht live. Ihre Freundinnen hatten erzählt, so ein Ding sei prall und glitschig. Seiner war weder das eine noch das andere, eher glatt und unförmig.
Erics rauchiger Geschmack lag noch auf ihrer Zunge, als er sie wieder küssen wollte: „Komm schon. Ich brauch bisschen Stimmung.“
Seine Zungenspitze fuhr Achterbahn in ihrem Mund, aber sie empfand es nicht als eklig. Eher fremd. Eric schob seinen Mittelfinger in ihre Spalte: „Ey, schon feucht! Bringen wir‘s hinter uns, Lady.“ Sie spürte, wie ihr Gesicht rot anlief.
Was erlebte sie gerade?
Wollte er sie etwa...?

Ihr widerstrebte, das Wort ‚vergewaltigen‘ auch nur zu denken. Seit einem Jahr hatte sie sich ihr erstes Mal so sehr gewünscht. Mit knapp sechzehn Jahren wurde es auch Zeit, aber doch nicht so! Nicht hier! Und vor allem nicht mit ihm!
Eric lachte, kramte ein Kondom aus dem Portemonnaie und riss es auf: „Hier! Kannst schon mal üben.“ Sein dämliches Grinsen verursachte ihr Gänsehaut. Schüchtern war sie schon immer gewesen, aber mit Eric auf zwei oder drei Quadratmetern fühlte sie sich eingezwängt wie in ein Korsett. Irgendwie reglos. Als er ihr das Kondom reichte, wurde Karla puterrot. Das Ding war glitschig, sie verzog das Gesicht. Mit Schrecken fiel ihr Jeanettes Geburtstag ein. Vor dem gemeinsamen Kondomaufblasen hatte sie sich gedrückt. Sie zögerte. Je länger sie mit Eric hier in dieser scheußlichen Kabine war, desto fassungsloser wurde sie.
„Los, mach schon!“ Eric griff ihre Hand, setzte das Kondom auf die Eichel und führte ihre Finger, bis sie das Kondom übergerollt hatte. Karla spürte, dass sein Schwanz hart war. Er wollte ihr bestimmt nur Angst einjagen, aber weiter würde er sicher nicht gehen. Niemals.
Oh, doch!
Sie fühlte, wie er ihn zielstrebig in sie drückte. Sie zuckte, spürte etwas Widerstand, dann glitt er hinein. Ein kleiner Schmerz kam und ging wieder.
Plötzlich drang von draußen ein Ruf herein: „Was ist da drin los?“ Karla kannte die Stimme. Sie gehörte ihrem Deutschlehrer, Herrn Kramer, der heute Pausenaufsicht hatte und einen Inspektionsrundgang unternahm.
Auch das noch!
Warum ausgerechnet er, dachte Karla. Er durfte sie hier keinesfalls sehen. Mit einem Male war ihr zum Heulen zumute.
Bitte, bitte, bitte nicht reinkommen!
Dann hörte sie Jeanettes Stimme: „Nichts, wieso?“ Sie versuchte Kramer abzuwimmeln. Karla nahm hektisches Rascheln und Schritte wahr. „Und was macht Lisa da oben mit dem Handy?“ Lehrer Kramer schien nicht locker zu lassen, doch dann fiel eine Tür zu und es war still.
Erics schwerer Körper presste sie mehr und mehr an die Wand. Sie versuchte, ihn wegzudrücken, aber es gelang nicht. Nach einer Weile kniff er die Augen zu und ruckte etwas. Gespürt hatte sie nichts mehr.
Eric zog das Kondom ab, warf es ins Klo, zog die Hose hoch und drückte die Spülung, die nach Wasserfall klang. Beim Hosezuknöpfen sah er sie lange an. Sie hatte das Gefühl, dass er etwas sagen wollte, doch er schwieg und öffnete die Tür.
Nachdem er hinausgegangen war, hörte sie abklatschende Hände vor der Toilette, Gelächter und Schritte, die sich entfernten.
Karla rutschte die Wand hinunter und blieb hocken. Dachte an Lisa, Jeanette und Alexa. Ihre besten Freudinnen. Etwas Gutes wollten sie ihr tun. Wie abgrundtief naiv waren sie eigentlich? Das war eine glatte Vergewaltigung gewesen! Dann dachte sie an Ralf Kramer und einige Tränen rannen die Wange hinunter. Einige Minuten später zog sie ihre Hose hoch und knöpfte sie zu. An ihren Fingern klebte Blut. Sie wusch sich am Waschbecken und spülte den Mund aus. Ihre Gedanken schwirrten.
Als sie gerade hinausgehen wollte, kam der Strahl. Sie kotzte auf die Kacheln. Graugrün waren sie, dreckig.

Montag, 27.9.

1

Konrad Mertens, Hausmeister der Novalis-Schule in Bockenheim, war allergisch gegen Dreck. Wenn er nichts anderes zu tun hatte, was selten genug vorkam, fegte er den Schulhof, den Parkplatz, die Wege, leerte die Mülleimer und räumte unnützes Zeug beiseite. Außerdem war er für alle Fassaden- und Gartenarbeiten zuständig. Der gesamte Außenbereich, der nicht klein war, war sein Revier. Und das seit über dreißig Jahren. Lehrer und Lehrerinnen kamen und gingen, Direktoren wechselten und jedes Jahr ging ein ganzer Schülerjahrgang ab. Nur er blieb. Er war eine Institution. Und das befriedigte ihn.
„Picobello“, sagte er gern, und damit meinte er seine Schule, die in Bockenheim lag, einem der westlichen Stadtteile Frankfurts, dem Herz Hessens.
Die heutigen Schüler, empfand Mertens, waren auch nicht mehr das, was sie mal waren. Den meisten war alles egal. Sie warfen wahllos Müll auf den Boden und er musste ihnen hinterher räumen. Wo sie gingen und standen, sah es danach aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Mertens fragte sich oft, wie sie das hinkriegten. ‚Ihr Deiwel‘ nannte er sie für sich, wenn er einen bei einer Schandtat erwischte. Aber er meinte es liebevoll, denn eigentlich mochte er seine Schüler. Nur wenn es um Sauberkeit und Ordnung ging, kannte er keine Freunde.
Insgeheim war es ihm gar nicht so unlieb, dass sie waren, wie sie waren, denn ansonsten hätte er nur halb so viel zu tun gehabt. Fürs Grobe war schließlich er zuständig. Heute früh zum Beispiel war er wie jeden Tag zur Schule geradelt und hatte vom Rad aus entdeckt, dass es gebrannt hatte. Ein Mülleimer war rußgeschwärzt. Einige verkohlte Fetzen lagen davor. Seine Nackenhaare hatten sich sofort aufgestellt. Es tat weh. Er fühlte tatsächlich so etwas wie körperlichen Schmerz, wenn er das mit ansehen musste. Das war wie eine Beleidigung für ihn und sein Ordnungsempfinden bekam eins über die Rübe.
Sie hatten alles Mögliche probiert: Anzeigen, Sicherheitsdienst, Nachtwächter. Aber die Schüler oder andere Krawallmacher und Rabauken waren nicht in den Griff zu kriegen. Es gab einfach zu viele. Sie konnten ihrer nicht Herr werden.
Für heute hatte Mertens sein Pensum bereits überschritten. Er war ja nicht mehr der Jüngste, hatte das eine oder andere Kilo zu viel auf den Rippen und das Säubern des Mülleimers, mit gefletschten Zähnen, hatte ihn Kraft gekostet.
Dennoch nahm er sich nun den Parkplatz vor. Seine eigentliche Aufgabe für den Vormittag. Die Büsche und Hecken mussten zurückgeschnitten werden, das Grünzeug weggebracht und dann musste er, wohl oder übel, fegen. Er musste es erledigen, sonst würde er nachts kein Auge zubekommen. Es war kurz nach zehn. Um eins wollte er durch sein und seinen freien Nachmittag genießen. Er nahm sich vor, dem Kiosk am Weingarten einen Besuch abzustatten und eine Flasche Ebbelwoi – oder auch zwei –mitzunehmen.
Konrad Mertens stand gerade auf der Leiter und schnitt Äste, als er einen Aufschrei hörte, anschließend ein dumpfes Geräusch und Trippelschritte.
Er setzte die Heckenschere ab und blickte sich um, aber es war niemand zu sehen. Dann meinte er ein Stöhnen zu hören oder ein Wimmern, als sei jemand gefallen und habe sich weh getan.
Er entschied nachzusehen. Auf Leitern klettern und wieder absteigen gehörte wahrlich nicht zu seinen Lieblingsaufgaben, zu beschwerlich und mühsam war es, die Knie machten nicht mehr mit und diese verdammte Schwerkraft zog mächtig, schließlich musste der robuste Leib hinauf und hinab bewegt werden.
Er kam heil auf den Pflastersteinen an und wischte sich einige Schweißtropfen von der Stirn. Puhhhh, die Hitze machte ihm schwer zu schaffen. Unnatürlich heiß für Ende September. Sein Biorhythmus hatte sich längst auf Herbst und ruhige Tage eingestellt.
Er legte sämtliche Gerätschaften und Werkzeuge auf einen Haufen, spähte umher und legte eine Hand ans Ohr wie eine Muschel. Nichts zu hören. Hatte er sich getäuscht? War er mittlerweile senil? Nahm er Sachen wahr, die es nicht gab? Das konnte und wollte er nicht glauben und ging weiter, um sich zu überzeugen.
Vom Parkplatz führte ein Weg zum Schulhof. Die Umgebung war nicht einsehbar, hohe Hecken, dichte Büsche und großblättrige Bäume verhinderten einen guten Blick. Das viele Grün mochte er, es war nicht so trostlos grau wie an anderen Schulen der Stadt.
Mertens bog auf den Weg ein und bewunderte die Sauberkeit. Sein Herz schlug höher. Lediglich ein Stück Silberpapier, die Verpackung eines Schokoriegels, störte sein Empfinden. Er hob es auf und steckte es in die Tasche seines Blaumanns. Zufrieden konzentrierte er sich wieder.
Doch je weiter er ging, desto unsicherer wurde er. Da war was. Er hatte sich nicht getäuscht, hielt die Hand an den Mund und rief: „Hallo. Is da wer?“ Ein Vogel antwortete mit Zwitschern, doch das war nicht das, worauf Mertens gehofft hatte. Also rief er wieder: „Hallo. Kann isch helfe?“
Er setzte einen Fuß vor den anderen und ihm wurde etwas mulmig. Es war keine Angst, die er verspürte, aber dennoch packte ihn ein sonderbares Gefühl.
Langsam und bedächtig ging er weiter und hielt die Augen offen. Immer noch war niemand zu sehen. Der Weg machte eine kleine Kurve, durch die er ging, bevor etwas durch die Büsche schimmerte. Dort lag etwas. Auf dem Boden. Es war rot und blau. Mertens rückte seine Brille zurecht, schlich weiter und reckte seinen Hals um die Ecke. Seine Augen weiteten sich. Er erkannte einen Kopf mit blonden Haaren, einen leblosen Körper und starre Augen. Blut blubberte aus einer Wunde. Ein Schrei verpuffte in Mertens‘ Hals.

2
Es war schon fast Mittag als Kommissar Andreas Rauscher von der Frankfurter Mordkommission den Schulhof seiner alten Schule betrat. Das erste Mal nach neunzehn Jahren.
Er fühlte sich sofort jünger. Erinnerungen schwappten hoch und hinterließen eine Gänsehaut. Am letzten Tag vor den großen Ferien zwischen der achten und neunten Klasse hatte er hinter der Turnhalle zum ersten Mal ein Mädchen geküsst. Anja hieß sie. Oder Anne? Er erinnerte sich noch an ihre rosigen Wangen und den Geschmack von Hubba Bubba-Erdbeer. Nach den Ferien hatte sie einen anderen geküsst.
Rauscher schaute sich um. Die Novalis-Schule hatte sich verändert. Die Gebäude waren älter, die Bäume höher, die Schüler größer geworden. So kam es ihm jedenfalls vor. Das Hauptgebäude, in dem die Verwaltung und das Lehrerzimmer untergebracht waren und in dem sich die Aula befand, ragte empor wie eh und je. Säulen zierten den Eingang, die Tür wirkte majestätisch. Es vermittelte den Eindruck einer Einrichtung für klassische Bildung. Rauscher deutete auf den großen Schulhof, den sie gerade hinter sich gelassen hatten.
„Den Basketballkorb gab’s damals noch nicht“, sagte Rauscher zu Jan Krause, Kommissar in seinem Team, der einen braunen Teint aus seinem zweiwöchigen Dänemarkurlaub auf Bornholm mitgebracht hatte. Und auch die eine oder andere Sommersprosse.
Sie liefen weiter Richtung Parkplatz. „Dafür hatten wir einen Bolzplatz mit Toren. Meine glorreichen Zeiten. Drei Dinger hab ich jede Pause gemacht.“ Krause schüttelte den Kopf.
„Wie ich diese Glorifizierung vergangener Zeiten liebe, ne! Schau dich doch mal an: Heute hast du zehn Dinger zu viel ... also Kilo natürlich.“ Rauscher boxte ihm auf den Oberarm.
„Erzähl nicht so einen Mist!“
„Na gut, dann halt neun.“ Er grinste und lief schneller, um Rauschers Schlägen zu entkommen.
Die Szene, die sie dann sahen, holte sie schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie steuerten auf eine Gruppe Menschen in weißen Overalls zu. Die Spurensicherung, allen voran Wolfgang Andres, ging bereits ihrem Job nach. Andres sah die beiden Kommissare und sagte: „Das Opfer heißt Ralf Kramer.“
Rauscher ging um den Toten herum. Er lag bäuchlings in einer Blutlache auf einem Steinweg, der den Lehrerparkplatz mit dem Schulgelände verband. Hohe Büsche und dichte Bäume säumten den Weg, der von rechts und links nicht einsehbar war. Ideale Stelle, dachte Rauscher.
Ein Mann im Blaumann, graue Schläfen und Oberlippenbart, stand etwas abseits und rief: „Unser Vertrauenslehrer, gell!“....

Leseprobe "Willige Opfer" von Harry Hold


Prolog

Die junge Frau stolzierte auf hochhackigen Pumps und im Minirock aus der Disco. Schwarze Locken fielen ihr ins Gesicht, die sie mit der linken Hand weg wischte. Sie lutschte an einer Zigarette, als sei sie ein Kondom.
Er beobachtete sie aus einiger Entfernung und zog den Mantelkragen höher. `Ne kleine Schnecke aus Griesheim oder dem Gallus, dachte er, höchstens 25 und einiges intus`. Genau sein Geschmack.
Sie bog um die Ecke Richtung Taxi-Stand. Er heftete sich an ihre Fersen. Das Glück schien auf seiner Seite. Nirgends war ein Taxi auszumachen.
Sie warf die Kippe weg und fluchte. ‚Shit‘, verstand er. Sie schaute sich immer wieder um, wirkte aufgedreht. Aggressiv. Genau seine Kragenweite: Wenn sie sich noch wehrten, bevor er sie nahm.
Sie schaute sich um und hob bei jedem vorbeifahrenden Auto die Hand, scheinbar hatte sie nie zuvor registriert, dass nachts das Schild auf dem Dach leuchtete, wenn das Taxi frei war. Er lachte und nutzte die Situation.
„Hey, Lady. Wo soll‘s denn hingehen?“
„Verpiss dich, Alter!“ Wie geil! Die Kleine machte ihn scharf. Er stellte sich neben sie, holte die Zigarettenpackung heraus und bot ihr eine Kippe an. Ihr Feuerblick funkelte ihn an, doch als sie sein Angebot registrierte, flog ein zartes Lächeln um ihren Mund. Makellose Haut, leicht gebräunt. Spitze Lippen. Die Augen schmal, asiatischer Einschlag. Ganz heißes Eisen. Er gratulierte sich zu seiner Wahl und gab ihr Feuer.
„Könnte dauern mit dem Taxi“, sagte er. „Messewochenende. Außerdem hat die Eintracht gespielt.“
Ihre roten Lippen umschlossen die Zigarette. Welch ein Anblick! Er brannte innerlich. Wieder hob sie den Arm, doch kein Auto hielt. Auf der zweispurigen Straße Richtung Innenstadt war kaum Verkehr um halb eins in der Nacht.
„Keinen schönen Abend gehabt?“, fragte er. Seine Kippe landete in der Gosse.
„Leck mich!“
Nichts lieber als das, aber vorher schwebte ihm etwas anderes vor. „Wie wär‘s mit nem Drink? Ich lad‘ dich ein.“
Sie schaute ihn an. Ihre Augen schimmerten glasig. Könnten Drogen im Spiel sein, dachte er. Ein Autoscheinwerfer erhellte ihr Gesicht. Er erkannte verschmierten Kajal. Entweder hatte ein Typ sie sitzenlassen oder betrogen. In jedem Fall war sie allein. Er durfte jetzt nicht lockerlassen. „Prosecco, Schampus, was du willst. Du kannst doch sicher noch was vertragen. Mir ist irgendwie nach Gesellschaft heute.“ Plötzlich legte sie ihre Hand auf seine Schulter, stützte sich ab und hob das rechte Bein. Sie balancierte auf dem linken und massierte ihre rechte Fessel. Dabei konnte er genau in ihren Ausschnitt schauen. 75B. Alle Achtung!
„Okay“, hörte er aus ihrem Mund. „Und wo?“
„Wenn du Lust hast, bei mir. Kühlschrank ist voll. Oder hast du Angst?“
„Pahhhhh, ey!“, raunzte sie ihn an. „Ich und Angst? Du hast sie wohl nicht alle.“
„Wenn du mir versprichst, nicht abzuhauen, hol ich den Wagen. Vielleicht wird er dich überzeugen.“
Keine zwei Minuten später schoss er mit seinem nagelneuen SLK Cabrio vom Parkplatz und hielt direkt vor ihren Füßen. Er öffnete die Tür. „Bitte einsteigen, die Dame.“
Sie schaute verblüfft und pfiff durch die Zähne. „Nette Karre.“
Er lächelte. In diesem Moment wusste er, dass er sie geknackt hatte. Er war ein Glückspilz. Die Kleine glaubte tatsächlich, mit ihm ein paar lustige Stunden verbringen zu können. In seiner Hose spürte er etwas, das ihm mächtig Auftrieb gab.
„Hab wohl das große Los gezogen, wa?“, sagte sie.
Er konnte es nicht fassen, wie naiv manche Gören waren. Die von letzter Woche war genauso. In wenigen Stunden würde sie ihre Worte überdenken. Nein! Er schüttelte den Kopf: verfluchen!

KAPITEL 1

1


„Schon die zweite junge Frau“, sagte Hauptkommissarin Esther Streit zu Jörg Rock. Der 36-jährige ehemalige Rundschau Redakteur, der seit mehr als fünf Jahren als freier Journalist arbeitete, nahm einen Schluck Sauergespritzten und schaute Esthers dunkle Augen an, die ihm einen Tick zu ernst schienen. „Wieder erdrosselt?“
Esthers Nicken wirkte gequält: „Und wieder am Waldrand entsorgt. Diesmal an der Oberforstschneise. Mit dem Auto angehalten, aus dem Kofferraum gezerrt, liegengelassen, abgehauen. Nach allem, was wir derzeit sagen können, handelt es sich zweifelsfrei um den selben Täter.“ Rock leerte sein Glas und orderte ein neues.
Sie saßen im ‚Gemalten Haus‘, einer der traditionellen Frankfurter Apfelweinkneipen. Gemälde, die die historische Stadt zeigten, schmückten die Wände. Das Mobiliar und Ambiente mutete antik an. Es war voll. Und urgemütlich. Die Gäste, vorwiegend Frankfurter älteren Semesters und einige asiatische Touristen, waren laut und ausgelassen, die Luft stickig und heiß.
Rock wollte gerade eine Vermutung äußern, als ihm Esther in die Parade fuhr: „Geschlechtsverkehr auch wieder. Unmittelbar vor ihrem Tod. Und nicht zu knapp. Die Leiche war halbnackt, Alkohol und Drogen im Blut. Identisches Muster. Ich könnte kotzen!“ Rock nahm das Gerippte – so nennen die Frankfurter ihre Apfelweingläser mit dem Rautenmuster auf dem Glas – von der Bedienung entgegen und entschied sich für eine Rindswurst mit Sauerkraut und Brot. „Möchtest du auch was essen?“
Esther schüttelte den Kopf. „Mir ist der Appetit vergangen. Ich bleibe heute bei flüssiger Nahrung.“
„Auch keine Lösung.“
„Das sagt der Richtige. Du hast doch früher gesoffen wie ein Schwimmbadabfluss.“
„Und jetzt bin ich clean und mach meinen Job. Kapiert?“
„Das seh‘ ich. Der wievielte ist das?“
„Geht dich nix an. Außerdem ist das Ebbelwoi und kein Alkohol.“
„Na dann! Trotzdem. Schadet deiner Kondition.“ Sie grinste über beide Backen. Seine Ausdauer kannte sie gut. Besonders die im Bett.
„Brauch ich für mein inneres Gleichgewicht“, fügte Rock an.
Esther schaute Rock die nächsten Minuten zu, wie er seine Wurst verputzte, das Kraut aß und immer wieder genüsslich am Sauergespritzten nippte. Als Rock satt war, meinte er: „Und was habt ihr jetzt vor?“
„Wir müssen die Ergebnisse der Gerichtsmedizin abwarten. Große Hoffnung habe ich nicht, dass wir was Verwertbares finden. Der Typ hat keine Spuren hinterlassen. Die Mädchen waren sauber geschrubbt. Porentief rein sozusagen. Er hat bestimmt keine DNA hinterlassen.“
„Was hat er eigentlich mit ihnen gemacht?“
„Bist du fertig mit essen?“
„Ja, wieso?“
„Dann kann ich‘s dir ja sagen: Er hat mit ihnen eine Orgie veranstaltet.“
„Sex, Drugs and Rock’n Roll...“
„Ich meinte eine Blutorgie.“ Rock starrte sie an. „Er hat ihnen die Mösen regelrecht zerfleischt. Aber erst post mortem. Willst du noch mehr wissen?“
„Nee, lass mal.“ Rock hob den Kopf. „Einen Sauergespritzten noch“, rief er zur Bedienung. Esther schüttelte heftig den Kopf....



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